Ein Umzug geht ins Geld, klar. Wer vorhat, die Wohnung zu wechseln, sollte sich rechtzeitig über alle damit verbundenen Kosten klar werden, empfiehlt der Bundesverband Möbelspedition.
Denn die größten Beträge würden vor und nach dem Umzug fällig. So sei die alte Wohnung in den meisten Fällen zu renovieren und auch für die Entsorgung alter Möbel und Einrichtungsgegenstände sollten Kosten eingeplant werden. Und bei der neuen Wohnung fielen auch mehr Kosten an als nur die Miete: Makler, Mietkaution, neue Möbel, Teppiche und Gardinen. Der Umzug selbst sollte möglichst langfristig geplant werden, raten die Experten. In den beliebtesten Umzugsmonaten Mai bis September seien die Umzugsfirmen stark gebucht. Wer außerhalb dieser Hochsaison umzieht, könne unter Umständen einen Rabatt aushandeln. Außerdem empfiehlt der Bundesverband, von der Umzugsfirma einen Festpreis zu verlangen.
Angebote einholen
Dazu sollten sie den Spediteur vor dem Umzug in die Wohnung bitten, damit er sich ein exaktes Bild vom Umfang des Hausrats machen kann. In jedem Fall sollte sich der Kunde zwei, besser drei Angebote von Spediteuren seiner Region einholen. Wichtig ist, dass der Kunde vor dem Umzug seine Hausratversicherung informiert. Dann besteht während des Umzuges zwei Monate lang Versicherungsschutz, und zwar in der alten und in der neuen Wohnung. Familien, die in Eigenregie umziehen, empfiehlt der Bundesverband der Möbelspedition dringend den Abschluss einer Umzugstransportversicherung. Sonst besteht die Gefahr, dass bei Transportschäden an Möbeln oder Elektronikgeräten hohe Kosten auf sie zukommen.
Kostenfalle Renovierung
Dass die alte Wohnung noch einmal renoviert werden muss, bereitet vielen Mietern Sorge. Denn auch wenn der Mietvertrag keine klassische Schönheitsreparaturklausel vorsieht, verlangen Vermieter häufig Tapetenwechsel, Spachtelarbeiten oder das Abschleifen von Parkett. Kalkulieren Sie daher frühzeitig Materialkosten (Farbe, Putz, Schleifpapier) und gegebenenfalls die Handwerkerrechnung ein. Wer die Wände selbst streicht, spart Arbeitslohn, muss jedoch Farbe und Zubehör (Rollen, Schutzhüllen, Abdeckfolie, Malerkrepp) einkalkulieren. In manchen Fällen ist eine professionelle Reinigung sinnvoller: Beim Kündigen einer gepflegten Wohnung ist es besser, einen Reinigungsservice damit zu beauftragen, anstatt riskante Selbstversuche zu starten, die am Ende doch nicht die nötige Sauberkeit erreichen.
Entsorgung alter Möbel und Elektrogeräte
Oft stellt sich die Frage: Wohin mit dem alten Sofa, dem ausrangierten Schreibtisch oder der defekten Waschmaschine? Die Entsorgungskosten variieren stark je nach Region und Gegenstand. Mancher Energiesparher gibt sein altes Gerät im Elektromarkt in Zahlung oder nutzt den Wertstoffhof seines Vertrauens. In ländlichen Gebieten kann Sperrmüllabfuhr in den kommunalen Gebühren enthalten sein, in Großstädten muss man meist für jede Abholung eine Gebühr bezahlen (oft zwischen 20 und 50 Euro pro Sperrmülltermin). Private Kleinanzeigen oder die Online-Plattformen für Umsonst-Anzeigen helfen, noch brauchbare Möbel an Interessenten zu vermitteln – das spart nicht nur Geld, sondern schont auch die Umwelt.
Mietkaution & Maklergebühren
Für die neue Wohnung fallen in der Regel Mietkaution und – falls ein Makler eingeschaltet wurde – Maklerprovision an. Die Kaution beträgt häufig zwei bis drei Monatsmieten ohne Nebenkosten; bei einer Warmmiete von 800 Euro sind das schnell 1.600 bis 2.400 Euro, die Sie liquide vorhalten müssen. Wird die Wohnung über einen Makler vermittelt, können Sie bis zu zwei Nettokaltmieten inklusive Mehrwertsteuer als Provision zahlen, sofern der Makler auf Seiten des Mieters tätig ist. Achtung: Seit Dezember 2020 gilt in Deutschland mit dem sogenannten Bestellerprinzip, das auf den Vermieter überträgt, die Maklerprovision zu zahlen, wenn er den Makler beauftragt hat. Prüfen Sie trotzdem Ihren Mietvertrag genau: Manchmal finden sich dort in besonderen Konstellationen abweichende Formulierungen.
Einrichtungskosten: Neue Möbel, Teppiche und Gardinen
Es beginnt schon beim Zweitschlussel: Wenn man ins neue Zuhause zieht, möchte man es mit moderner Einrichtung, frischen Farben und passender Dekoration schmücken. Selbst, wenn viele Möbel aus der alten Wohnung übernommen werden können, schlägt der Neukauf von Teppichen, Gardinen und oft auch Küchenutensilien ins Budget. Ein neues Bettgestell oder ein Regal sind schnell mit 200 bis 500 Euro zu Buche. Mit einem neuen Esstisch samt Stühlen können Sie schon einmal 1.000 Euro oder mehr einplanen. Überlegen Sie daher, welche Anschaffungen wirklich notwendig sind, und ob es nicht gebrauchte Alternativen in Online-Flohmärkten gibt. Gerade Kleinmöbel lassen sich oft preisgünstig in gutem Zustand weiterkaufen.
Nebenkosten und Anschlussgebühren
Vergessen Sie bei all dem Trubel nicht, sich um Ummeldungen und Versorgungsverträge zu kümmern:
- Stromanbieter, Gas und Wasser sollten im Vorfeld gekündigt und am neuen Wohnort neu beantragt werden. Achten Sie auf eventuelle Anschlussgebühren und die Art des Tarifs (Grundgebühr, Arbeitspreis). Manchmal lohnt ein kurzfristiger Anbieterwechsel, wenn ein preisgünstiges Einstiegsangebot verfügbar ist.
- Internet- und Telefonanschluss: Häufig verlangen Internet-Provider eine Installationspauschale von 50 bis 100 Euro für den Umzug. Fragen Sie Ihren Anbieter frühzeitig, ob Ihr bestehender Router mit in die neue Wohnung umziehen darf oder ob Sie einen neuen (eventuell besseren) Router kaufen müssen.
- Rundfunkbeitrag: Den fälligen Rundfunkbeitrag (Gebühr für ARD, ZDF und Deutschlandradio) müssen Sie ummelden. Ab dem Tag der Anmeldung in der neuen Wohnung zahlt man den Betrag erneut, in Höhe von derzeit rund 18,36 Euro monatlich. Ein doppelter Beitrag darf nicht anfallen – melden Sie die alte Wohnung rechtzeitig ab.
Planungshilfe: Zeit- und Aufgabenplan
Wer organisiert die vielen Schritte am besten? Erstellen Sie am besten eine Checkliste mit den folgenden Punkten und Terminen:
- 4–6 Wochen vor Umzug:
- Kündigung der alten Wohnung prüfen (Kündigungsfrist, Übergabetermin).
- Angebote von Umzugsfirmen einholen.
- Neue Wohnung besichtigen und Mietvertrag unterzeichnen.
- Hausratversicherung informieren, ggf. Transportversicherung abschließen.
- 3 Wochen vor Umzug:
- Packmaterial (Kartons, Klebeband, Luftpolsterfolie) bestellen oder sammeln.
- Sperrmüll-Termin vereinbaren oder Möbel gebrauchen vermitteln.
- Strom- und Gasverträge kündigen/anmelden.
- Umzugskartons beschriften („Küche“, „Bad“, „Bücher“, „Fragile“).
- 1–2 Wochen vor Umzug:
- Internet- und Telefonanschluss ummelden.
- Nachsendeauftrag bei der Post beantragen.
- Möbel vermessen, ob alles in den neuen Raum passt.
- Renovierung der alten Wohnung organisieren (Material besorgen).
- Kinderbetreuung oder Hilfe für den Umzugstag organisieren.
- 1–2 Tage vor Umzug:
- Kühlschrank abtauen und reinigen.
- Letzte Einkäufe tätigen (Verpflegung für Helfer, Verpackungsmaterial).
- Schlüsselübergabe mit Vermieter der neuen und alten Wohnung klären.
- Umzugstag:
- Check, ob alle Kartons richtig beschriftet sind.
- Möbelspedition einweisen, Zählerstände ablesen (Strom, Gas, Wasser).
- Protokoll für die Übergabe der alten Wohnung anfertigen (eventuelle Mängel dokumentieren).
- Nach dem Umzug:
- Möblierung in der neuen Wohnung planen (Position der Schränke, Sofa, Bett).
- Renovierung der alten Wohnung abschließen, Übergabeprotokoll erstellen.
- Ummeldung bei Einwohnermeldeamt innerhalb von zwei Wochen.
- Nachkontrolle bei der Hausratversicherung (Deckung im Transportfall).
Mit strukturierter Planung fällt der Umzug deutlich entspannter aus – auch wenn das Konto bis zum Jahresende etwas bluten muss. Wer alle Kostenpunkte im Blick behält und rechtzeitig Angebote einholt, kann versteckte Kostenfallen vermeiden und seine Nerven schonen. So bleibt am Ende mehr Budget fürs Einrichten und wohlverdiente Einweihungsfeier mit Freunden und Familie.