Die eigene Wohnung behalten und zugleich eine Gemeinschaft im Haus haben: Dieses Konzept soll in einem Neubau im Düsseldorfer Stadtteil Lörick verwirklicht werden. Der Verein „Miteinander Wohnen in Verantwortung“ plant dort eine Mietgemeinschaft mit 13 Wohnungen und einem eigenen Gemeinschaftsraum. Für fünf der Wohnungen werden noch passende Bewohner gesucht.
Hinter dem Projekt stehen unter anderem Jutta Völlmecke und Karin Rinklake. Die beiden über 70-Jährigen beschäftigen sich seit Jahren mit der Idee, selbstständiges Wohnen und verbindliche Nachbarschaft miteinander zu verbinden.
Sie wollen so lange wie möglich in ihren eigenen Wohnungen leben und sich dabei gut fühlen, beschreiben sie ihr Ziel. Dazu gehöre aber auch der Kontakt zu anderen Menschen. Die Vorstellung: Jeder hat seinen privaten Rückzugsort, gleichzeitig gibt es im selben Haus Raum für gemeinsame Aktivitäten – gewissermaßen ein kleines Dorf mitten in der Stadt.
Der Gemeinschaftsraum als gemeinsames Wohnzimmer
Elf der Wohnungen sind für alleinstehende Personen vorgesehen und zwischen 40 und 50 Quadratmeter groß. Hinzu kommen zwei Wohnungen für Paare mit jeweils knapp 65 Quadratmetern. Alle Wohnungen sind barrierefrei und verfügen über einen Wohnbereich mit offener Küchenzeile, ein separates Schlafzimmer und ein Bad.
Damit bleibt ausreichend Raum für Privatsphäre. Der zentrale Bestandteil des Konzepts liegt jedoch außerhalb der einzelnen Wohnungen: Ein Gemeinschaftsraum soll zum Treffpunkt der Bewohner und zugleich für die Nachbarschaft geöffnet werden.
Der Raum soll das Wohnzimmer sein, sagt Karin Rinklake. Geplant sind unter anderem gemeinsame Kochabende, Kaffeetrinken, Bastelnachmittage und Sportangebote. Auch kulturelle Veranstaltungen wie Konzerte oder Ausstellungen könnten dort stattfinden. Ein regelmäßiger Gruppenabend soll die Bewohner miteinander ins Gespräch bringen.
Gemeinschaft ist keine Selbstverständlichkeit
Dass ein solches Wohnmodell funktionieren kann, hängt allerdings entscheidend von den Menschen ab, die dort einziehen. Der Verein sucht deshalb nicht einfach Mieter, sondern Menschen, die sich auf das gemeinschaftliche Wohnen einlassen wollen.
Offenheit, Zuverlässigkeit und Hilfsbereitschaft gehören zu den gewünschten Voraussetzungen. Vor allem aber sollten die künftigen Bewohner bereit sein, sich einzubringen und gemeinsame Aktivitäten nicht nur als zusätzliches Angebot, sondern als Teil des Wohnkonzepts zu verstehen.
Für 8 der 13 Wohnungen gibt es nach Angaben des Vereins bereits ernsthafte Interessenten. Für die übrigen 5 Wohnungen werden noch Bewohner gesucht. Das Angebot richtet sich insbesondere an Menschen ab 50 Jahren mit Wohnberechtigungsschein A oder B. Die Wohnungen sind öffentlich gefördert.
Die Mietverträge werden direkt mit dem Eigentümer geschlossen. Die Kosten für den Gemeinschaftsraum werden über die Nebenkosten abgerechnet. Im Gebäude wird allerdings nicht ausschließlich die Mietgemeinschaft wohnen. Weitere Wohnungen sollen regulär auf dem freien Markt vermietet werden.
Wohnprojekt ist Teil eines neuen Stadtteilzentrums
Die Wohnungen der Mietgemeinschaft entstehen in den oberen Etagen des neuen Lörick-Karrees. Das Gebäude soll nicht nur Wohnraum schaffen, sondern auch zu einem neuen Stadtteilzentrum werden. Im Erdgeschoss sind Einzelhandel und Dienstleistungen vorgesehen, unter anderem ein Supermarkt und Gastronomie. Auch Arzt- und Therapiepraxen sowie eine Apotheke sind geplant.
Damit soll das Quartier auch für ältere Menschen aus der Umgebung attraktiv sein. Kurze Wege zu Einkaufsmöglichkeiten, Dienstleistungen und medizinischen Angeboten ergänzen das Konzept des gemeinschaftlichen Wohnens.
Frühzeitiges Kennenlernen soll Konflikte verhindern
Dass die Initiatoren großen Wert auf die Auswahl der Bewohner legen, hat einen konkreten Hintergrund. Der Verein „Miteinander Wohnen in Verantwortung“ wurde bereits 2007 gegründet und setzte wenige Jahre später ein erstes gemeinschaftliches Wohnprojekt in Düsseldorf-Gerresheim um.
Damals zogen 26 Menschen im Alter zwischen 55 und 75 Jahren in das neue Haus. Auch dort sollte ein Gemeinschaftsraum die Bewohner zusammenbringen. Nach einigen Jahren entstanden jedoch Konflikte. Bewohner traten nach und nach aus dem Verein aus und zogen sich aus der gemeinsamen Nutzung des Raumes zurück. Heute wird dieser von einem anderen Nachbarschaftsverein betrieben.
Diese Erfahrung soll sich in Lörick nicht wiederholen. Deshalb wollen Völlmecke und Rinklake die künftigen Bewohner bereits vor dem Einzug möglichst gut kennenlernen. Gemeinsame Aktivitäten und Vernetzungstreffen sollen zeigen, ob die Vorstellungen vom gemeinschaftlichen Wohnen tatsächlich zusammenpassen.
Der Rohbau des neuen Gebäudes steht bereits. Der Einzug der künftigen Bewohner ist für das kommende Jahr vorgesehen. Bis dahin bleibt Zeit, eine Gemeinschaft zusammenzustellen, die beides ermöglicht: ein selbstbestimmtes Leben in der eigenen Wohnung und eine Nachbarschaft, die tatsächlich miteinander lebt.