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Hannover will Luxuswohnungen für Geflüchtete kaufen – für rund fünf Millionen Euro

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49 hochwertig ausgestattete Mikroapartments, ein Kaufpreis von rund 5 Millionen Euro: Die Stadt Hannover plant den Erwerb eines Mehrfamilienhauses im Stadtteil Linden-Süd, um dort Geflüchtete unterzubringen.

Zuerst berichtete das die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“. Der geplante Immobilienkauf steht beispielhaft für einen Wandel in der kommunalen Unterbringungspolitik. Statt Menschen über längere Zeit in Gemeinschaftsunterkünften unterzubringen, setzt Hannover zunehmend auf abgeschlossene Wohnungen mit eigenen Küchen und Badezimmern.

Der Kaufpreis dürfte dennoch Fragen aufwerfen. Denn während auf dem angespannten Wohnungsmarkt bezahlbare Wohnungen fehlen und die kommunalen Haushalte unter Druck stehen, soll die Stadt eine Immobilie erwerben, deren Ausstattung über dem üblichen Standard einer Flüchtlingsunterkunft liegt. Erst Luxussanierung, dann Flüchtlingsunterkunft?

49 Apartments in einem sanierten Mehrfamilienhaus

In Linden-Süd wird derzeit ein Mehrfamilienhaus mit 49 möblierten Mikroapartments zum Kauf angeboten, dessen Merkmale zu den Eckdaten des geplanten Erwerbs passen. Das im Jahr 1900 errichtete Gebäude wurde laut Immobilienanzeige 2022 umfassend saniert. Es verfügt über rund 809 Quadratmeter Wohnfläche auf einem 433 Quadratmeter großen Grundstück.

Die Ausstattung umfasst moderne Einbauküchen, Möblierung, Schallschutzfenster, Fernwärme, einen Aufzug sowie digitale Zugangs- und Heizungssteuerungen. Auch eine Photovoltaikanlage ist vorhanden. Der Anbieter bezeichnet den Ausstattungsstandard als luxuriös.

Der ausgeschriebene Kaufpreis beträgt 4,7 Millionen Euro für das Gebäude. Für die Möblierung werden weitere 490.000 Euro angesetzt. Zusammen ergibt sich damit ein Angebotspreis von rund 5,19 Millionen Euro.

Rechnerisch entfallen bei einem Gesamtpreis von rund 5 Millionen Euro gut 102.000 Euro auf jedes der 49 Apartments. Eine solche Rechnung berücksichtigt jedoch weder die unterschiedliche Größe der Einheiten noch mögliche zusätzliche Erwerbs- und Betriebskosten. Sie sagt auch wenig darüber aus, ob der Kaufpreis im Vergleich zu anderen Unterbringungsmöglichkeiten wirtschaftlich ist.

Die Stadt will weg von großen Gemeinschaftsunterkünften

Der geplante Kauf passt zu einer Strategie, die Hannover bereits im März 2025 vorgestellt hat. Unter dem Titel „Obdach 2030“ will die Stadt die Unterbringung geflüchteter und wohnungsloser Menschen grundlegend verändern.

Damals verfügte Hannover über rund 8.400 Unterbringungsplätze. Ein erheblicher Teil befand sich in Gemeinschafts- und Notunterkünften. Die Stadtverwaltung erklärte, dass viele dieser Einrichtungen nur befristet zur Verfügung stünden und einige angemietete Objekte auf Dauer zu teuer seien.

Innerhalb von 5 Jahren soll deshalb die Zahl der Plätze in wohnungsähnlichen Unterkünften von etwa 2.100 auf rund 5.000 steigen. Gleichzeitig soll die Kapazität der Gemeinschaftsunterkünfte von gut 4.200 auf ungefähr 2.000 Plätze sinken.

Hinter dieser Veränderung steht nicht nur ein sozialpolitisches Ziel, sondern auch eine wirtschaftliche Überlegung. Gemeinschaftsunterkünfte benötigen häufig zusätzliche Betreuung, gemeinschaftliche Versorgungseinrichtungen und besondere organisatorische Strukturen. Eigenständige Wohnungen können sich dagegen besser für Menschen eignen, die ihren Alltag bereits weitgehend selbst organisieren.

Nach dem Konzept der Stadt sollen vor allem Geflüchtete mit geringem Unterstützungsbedarf schrittweise aus Gemeinschaftsunterkünften in wohnungsähnliche Angebote wechseln. Ein Gebäude mit vollständig ausgestatteten Mikro-Apartments könnte dafür geeignet sein.

Kauf statt Miete: Wann sich fünf Millionen Euro rechnen

Für Kommunen ist der Ankauf bestehender Immobilien eine Alternative zum Neubau oder zur langfristigen Anmietung von Unterkünften. Der wesentliche Unterschied liegt im Eigentum: Während Mietzahlungen dauerhaft an einen privaten Vermieter fließen, erwirbt die Stadt mit dem Kauf ein Gebäude, das sie auch später nutzen kann.

Damit ist der Kauf aber nicht automatisch günstiger. Neben dem Kaufpreis fallen Erwerbsnebenkosten, Instandhaltung, Verwaltung und gegebenenfalls Finanzierungskosten an. Auch Möblierung und technische Ausstattung müssen regelmäßig erneuert werden.

Bei einem Kaufpreis von 5 Millionen Euro entsprechen allein zwei Prozent jährlicher rechnerischer Finanzierungskosten oder Kapitalbindung bereits 100.000 Euro. Hinzu kommen die laufenden Aufwendungen für das Gebäude. Ob die Investition wirtschaftlich ist, lässt sich deshalb nur anhand einer längerfristigen Kostenrechnung beurteilen.

Dazu müsste die Stadt offenlegen, wie viele Menschen tatsächlich untergebracht werden können, welche Ausgaben bisher für vergleichbare Plätze anfallen und welche Nutzung nach einem möglichen Rückgang des Unterbringungsbedarfs vorgesehen ist.

Die 49 Apartments bieten jedenfalls einen Vorteil gegenüber größeren Sammelunterkünften: Es handelt sich um abgeschlossene Wohneinheiten, die grundsätzlich auch für andere Wohnzwecke geeignet sein können. Ob eine spätere reguläre Vermietung möglich wäre, hängt allerdings von baurechtlichen Voraussetzungen und der konkreten Gestaltung des Gebäudes ab.