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Wien: Nur wer sich benimmt, bekommt eine Wohnung

Wien gilt seit Jahrzehnten als Vorbild für sozialen Wohnungsbau. Rund 420.000 geförderte Wohnungen sichern in der österreichischen Hauptstadt vergleichsweise stabile Mieten. Doch auch dort wächst der Druck.

Mit einer Reform der Vergaberegeln reagiert die Stadt nun auf steigende Nachfrage – und setzt stärker auf Verhalten und soziale Kriterien.

Punktesystem ersetzt Warteliste

Künftig soll nicht mehr allein die Dauer der Anmeldung über eine Gemeindewohnung entscheiden. Stattdessen führt Wien ein neues Punktesystem ein. Grundlage ist das sogenannte „Wiener Wohn-Ticket“, das durch ein Bonus- und Malusprinzip ergänzt wird.

Wer sich bewirbt, muss deutlich mehr Angaben machen als bisher – etwa zu Einkommen, Wohnsituation und Haushaltsgröße. Auch Veränderungen im Haushalt, etwa durch Ein- oder Auszug von Mitbewohnern, müssen gemeldet werden. Die Daten werden digital erfasst und überprüft.

Vorteile für besondere Lebenslagen

Das neue System soll gezielter steuern, wer bevorzugt eine Wohnung erhält. Bonuspunkte gibt es unter anderem für:

  • junge Familien
  • Menschen in Ausbildung
  • Personen, die ihre Wohnung altersbedingt verkleinern müssen

Damit will die Stadt stärker auf soziale Bedürfnisse reagieren und die Vergabe transparenter gestalten.

Konsequenzen für Fehlverhalten

Deutlich strenger wird Wien bei Regelverstößen. Wer in den vergangenen fünf Jahren durch sogenanntes „unleidliches Verhalten“ aufgefallen ist, muss mit Nachteilen rechnen. Dazu zählen:

  • Mietrückstände
  • illegale Untervermietung
  • schwere Verstöße gegen die Hausordnung
  • bereits erfolgte Kündigungen

Solche Fälle führen zu Minuspunkten – im Extremfall kann der Anspruch auf eine neue Sozialwohnung ganz entfallen.

Hintergrund: steigender Bedarf trotz großem Angebot

Mit über zwei Millionen Einwohnern verfügt Wien über einen der größten sozialen Wohnungsbestände Europas. Dennoch wächst die Nachfrage weiter. Steigende Bevölkerungszahlen, kleinere Haushalte und begrenzte Neubauflächen erhöhen den Druck auf das System.

Die Reform soll deshalb nicht nur gerechter verteilen, sondern auch Missbrauch verhindern und die vorhandenen Wohnungen effizienter vergeben.

Testphase läuft bereits

Seit Anfang März wird das neue System in einer Pilotphase mit rund 180 Personen getestet. Der offizielle Beschluss im Wiener Landtag ist für Mitte Juni vorgesehen.

Mit der Neuausrichtung geht Wien einen anderen Weg als viele deutsche Städte: Während dort vor allem über Neubau und Mietregulierung diskutiert wird, setzt die österreichische Hauptstadt stärker auf Steuerung über Vergabekriterien.