In vielen Städten fehlt bezahlbarer Wohnraum – während gleichzeitig zahlreiche große Wohnungen oder Einfamilienhäuser von nur einer oder zwei Personen bewohnt werden. Vor allem ältere Menschen bleiben oft im einstigen Familienhaus wohnen, obwohl der Platz nicht mehr genutzt wird.
Stimmen aus Politik und Wissenschaft fordern deshalb neue Wege: Ein freiwilliger Wohnraumtausch zwischen Alt und Jung könnte helfen, knappe Flächen besser zu verteilen.
Kinder ziehen aus – Eltern leben auf großer Fläche
Der Hintergrund: Millionen Kinder sind längst aus dem Elternhaus ausgezogen, ihre alten Zimmer aber stehen leer. Inzwischen lebt ein wachsender Teil der älteren Bevölkerung allein auf großer Fläche – während junge Familien mit Kindern nach größeren Wohnungen suchen und oft keine finden. Dieses Missverhältnis hat längst die Aufmerksamkeit von Stadtplanern, Sozialwissenschaftlern und Politikern geweckt.
Ein Vorschlag lautet: Ältere Menschen sollen unterstützt werden, in kleinere, barrierefreie Wohnungen umzuziehen. Im Gegenzug könnten jüngere Haushalte mit höherem Platzbedarf in die freigewordenen Wohnungen oder Häuser ziehen. Erste Kommunen und Initiativen bieten bereits Tauschbörsen oder Umzugsberatung an, um den Übergang zu erleichtern.
Stadtplaner sehen Potenzial in neuen Wohnformen
Architekturwissenschaftler wie Jan Engelke von der TU München sprechen sich in Interviews für ein Umdenken aus. In einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung kritisierte er nicht nur das Modell des Einfamilienhauses, sondern plädierte auch für gemeinschaftliche Wohnformen im Alter. Etwa, indem Nachbarn aus einer Siedlung gemeinsam in ein Haus ziehen – zum Beispiel in zentraler Lage mit Aufzug, Service oder Pflegeanschluss. Die frei werdenden Häuser könnten dann von Familien genutzt werden, ohne dass neu gebaut werden muss.
Kritik von Sozialverbänden
Auch in der Politik ist die Idee angekommen: Mehrere Landesregierungen und einzelne Bundestagsabgeordnete – vor allem von den Grünen/Bündnis90 – haben über finanzielle Anreize oder Beratungsprogramme für Tauschwillige nachgedacht. Die Idee: Wer sich freiwillig räumlich verkleinert, soll Unterstützung beim Umzug erhalten – zum Beispiel durch Mietnachlässe oder Hilfe bei der Wohnungssuche.
Kritik kommt allerdings von Sozialverbänden und Eigentümervereinigungen. Sie warnen davor, ältere Menschen moralisch unter Druck zu setzen oder in ihren Eigentumsentscheidungen zu bevormunden. Nicht jeder möchte oder kann in höherem Alter noch einmal umziehen – sei es aus gesundheitlichen Gründen oder wegen emotionaler Bindung an das Zuhause.