Das Gute Haus im hessischen Butzbach steht vor einer ungewissen Zukunft. Die gemeinnützige Genossenschaft betreibt in der Stadt ein Familienzentrum und einen Begegnungsort für Menschen unterschiedlicher Generationen. Nun droht der Verlust der bisherigen Räume. Der Eigentümer hat nach Angaben der Geschäftsführung einen neuen Mietvertrag vorgelegt, der eine anfängliche Mieterhöhung von 40 Prozent vorsieht. Danach soll die Miete regelmäßig weiter steigen.
Für die Genossenschaft ist das Angebot nicht tragbar. Hinzu kommt eine Vertragslaufzeit von sechs Jahren. Bei einem vorzeitigen Ausstieg wäre zudem eine hohe Entschädigung fällig. Die Geschäftsführerinnen haben deshalb einen Gegenvorschlag unterbreitet. Eine Antwort steht noch aus. Parallel bereitet sich das Gute Haus auf Alternativen vor, falls der bisherige Standort nicht gehalten werden kann.
Mängel belasten die Gespräche
Die Verhandlungen werden zusätzlich durch bauliche Probleme erschwert. Nach Angaben der Geschäftsführung gibt es in der Immobilie zwei größere Mängel. Die Fußbodenheizung schalte sich zu schnell wieder ab, was im Winter zu kalten Räumen führe. Außerdem gebe es Schimmel in den Fensterdichtungen. Beide Probleme seien seit Längerem bekannt, bislang aber nicht behoben worden.
Aus Sicht der Genossenschaft müssten solche Mängel geklärt werden, bevor ein neuer Vertrag zu schlechteren Konditionen abgeschlossen werden könne. Dennoch rechnet die Einrichtung mit dem Fall, dass sie zum 31. Oktober ausziehen muss.
Aufgabe: Der Vereinzelung entgegenwirken
Als kurzfristige Ausweichlösung kommen kleinere Räume in der Nachbarschaft infrage. Das Gute Haus könnte seine Arbeit dort fortsetzen, allerdings nur in reduzierter Form. Weniger Fläche bedeutet weniger Veranstaltungen, weniger Begegnung und geringere Einnahmen.
Das würde eine Einrichtung treffen, die stark vom Engagement vieler Menschen lebt. Derzeit gestalten mehr als 40 Personen ehrenamtlich rund 60 Angebote für verschiedene Generationen. Insgesamt sind 216 Mitarbeiter für das Gute Haus tätig, der Großteil davon ehrenamtlich. Ziel der Genossenschaft ist es, Vereinzelung entgegenzuwirken und Begegnung im Alltag zu ermöglichen.
Stadt verweist auf begrenzte Mittel
Als mögliche dauerhafte Lösung bringt die Geschäftsführung erneut Räume in der Limes-Galerie ins Gespräch. Dort stehen Teile des Erdgeschosses leer. Nach Angaben des Guten Hauses wäre der Eigentümer grundsätzlich bereit, an die Genossenschaft zu vermieten. Eine Fläche von rund 350 Quadratmetern könnte sich für eine multifunktionale Nutzung eignen.
Für die Genossenschaft wäre diese Fläche allerdings zu groß. Finanzierbar seien eher 180 bis 200 Quadratmeter. Der übrige Teil müsste anderweitig getragen werden, etwa durch die Stadt, Unternehmenspartnerschaften oder eine Bürgerbeteiligung.
Bürgermeister Sascha Huber betont, dass die Stadt Butzbach das Gute Haus bereits mit 20.000 Euro jährlich unterstütze. Außerdem liege ein Antrag auf einen zusätzlichen Mietzuschuss in Höhe von 6.000 Euro vor. Grundsätzlich müsse eine solche Unterstützung jedoch mit der Förderung anderer Vereine vergleichbar bleiben.
Die Stadt stehe seit Monaten im Austausch mit der Genossenschaft. Gemeinsam werde an Perspektiven gearbeitet, um die erfolgreiche Arbeit des Familienzentrums fortzuführen. Eine weitergehende Unterstützung müsse für die Kommune aber finanzierbar sein.
Friedberg übernimmt das Konzept
Während die Zukunft in Butzbach offen ist, wächst das Projekt an anderer Stelle. Die Stadt Friedberg hat das Gute Haus beauftragt, den Betrieb des dortigen Kreativhauses zu übernehmen und das Konzept weiterzuentwickeln. Der Vertrag wurde Mitte Juli unterschrieben.
Das Kreativhaus soll künftig nicht nur Veranstaltungsort und Co-Working-Space sein, sondern ein Ort der Begegnung und Vernetzung mit Bürgerbeteiligung. Erste Angebote haben bereits stattgefunden. Die offizielle Eröffnung ist für Anfang November geplant. Künftig soll der Standort unter dem Namen „Das Gute Haus Friedberg“ auftreten.
Für die Genossenschaft entsteht damit eine paradoxe Lage. In Friedberg ist ihr Konzept ausdrücklich gefragt, in Butzbach muss sie um ihre bisherigen Räume bangen. Genau dort, wo das Projekt gewachsen ist, entscheidet sich nun, ob es eine tragfähige räumliche Zukunft findet.